Gedanken

Oktober 27, 2008

Verbindlich sein?
ach ne…
ja oder nein?
„mal gucken“ ist die meiste Antwort, die wir zu hören bekommen oder aber auch selbst sagen…
am Ende ist es eher nein…

Wir leben von Optionen.
Wir bestehen aus Optionen.

Wir sind Kinder unserer Zeit.
Individualismus.
Pluralismus.
Hauptsache – ich.
Alles schön und gut, aber wer übernimmt Verantwortung?
Wer trifft die Entscheidung?

Ich darf mir aussuchen wenn ich mögen will oder nicht will.
Ist es ok so?
Sind anderen Menschen nicht liebenswert?
Bin ich der, der entscheidet, wer liebenswert ist?

Was ist nur los mit unserer Kultur, mit uns selbst?
Was ist mit dem „Liebe deinen [jeden] Nächsten, wie dich selbst“?

Herbstimpressionen 2008

Oktober 22, 2008

Erwachsen werden im Glauben bedeutet sich des existenziellen Angewiesenseins auf Liebe [Gottes] bleibend bewusst zu sein.

Dass, was Gott von uns will ist nicht, dass wir uns liebenswürdig erweisen, damit er mit seiner Gnade leichter hat, dass, was er von uns will ist, dass wir uns so lieben lassen, dass wir endlich grenzenlos liebensfähig werden.

Hans-Joachim Eckstein
auf dem 5. internationalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge

Was ist Freiheit? (1)

Oktober 17, 2008

Heute ging er nach Hause. Lustlos. Ruhelos. Enttäuscht. Sein Atem war schwer. Es regnete. Die Tränen vermischten sich auf seinen Wangen mit dem Regen. Die Frage stieg in ihm hoch: Warum? Warum ist es so? Was soll ich tun? Doch es gab keine Antwort. Niemand konnte seine Fragen beantworten.
„Ich will frei sein“ sagte er in sich hinein. Hat ihn jemand gehört? Natürlich nicht.
„Ich will frei sein!!!“ schrie er laut. „Frei, frei, frei!“

Hörst du mich? Bist du da?
„Ich will frei sein!“

Wer bin ich?

Oktober 13, 2008

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und zu leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Gedicht von Dietrich Bonhoeffer